Lake Pichola: Karriere eines künstlichen Sees

Vom Trinkwasserbecken zum Ausflugsgebiet: Karriere eines künstlichen Sees

Der 55 km² große, im Jahr 1362 künstlich von dem Baumeister Pichhu Banjara in der Regierungsperiode des Maharana Lakha angelegte und nach dem nahe gelegenen gleichnamigen Dorf benannte Lake Pichola (Picholasee) befindet sich westlich der 450 000 Einwohnerstadt Udaipur im südlichen Teil des des Bundesstaates Rajasthan im Nordwesten Indiens. Gemeinsam mit den ebenfalls benachbarten und zum Teil mit ihm verbundenen Seen Fateh Sagar Lake, Udai Sagar und Swaroop Sagar bildet er eine Art urbane Seenplatte, welche der Stadt die Beinamen „Venedig des Ostens“ und „Stadt der Seen“ zu verdanken hat. Der einst zur Trinkwassergewinnung und für Bewässerungszwecke anhand von zahlreichen Dämmen angelegte See gilt heute als Schmuckstück und Publikumsmagnet Udaipurs, er erreicht eine Tiefe zwischen 4 und 8,5 Metern und wird durch den Sisarmastrom, einen Nebenfluss des Kotraflusses aus dem Aravalligebirge, der Wasserscheide zwischen der Wüste Thar und den Ebenen Rajasthans, mit frischem Nass gespeist.

Nach der Dürre ist vor der Erholung: Maßnahmen bislang erfolgreich

Außer für die romantischen Sonnenuntergänge an seinen fruchtbaren Ufern ist der Lake Pichola besonders auch für die vier in der unteren Zwischenüberschrift genannten Inseln und deren dort errichteten Paläste bekannt, als Badesee ist er hingegen eher nicht zu empfehlen, dafür ist sein Gehalt an Natrium und Hydrogenkarbonaten zu hoch. Auch das starke Wachstum von Wasserhyazinthen und Algen, unter anderem verursacht durch die nahe Industrie, den Bergbau, die Abwässer und die Landwirtschaft haben dem See, der in den Jahren 1998 bis 2005 fast vollständig ausgetrocknet war in der Vergangenheit immer wieder heftig zugesetzt. Mittlerweile haben aber zahlreiche Bemühungen zu seiner Reinigung und Rettung erste Erfolge gezeigt, sodass man heute wieder problemlos eine schöne Bootstour zu den Inseln und ihren prächtigen Gebäuden unternehmen kann.

Die Seeinseln und ihre Paläste: Jag Niwas, Jag Mandir, Mohan Mandir und Arsi Vilas

Das aufgrund des dortigen, häufig schon als Kulisse für internationale Filmproduktionen genutzten, und bereits im Jahr 1746 errichteten Hotels „Lake Palace“-Hotels mit seinen 83 Zimmern und Suiten wohl bekannteste Eiland ist die natürliche, nur ca. 16 000 m² große Felseninsel Jag Niwas, die von dem Hotelbau nahezu vollständig bedeckt wird. Nur wenig größer und im südlichen Teil des Sees gelegen, gibt es mit der Insel und dem gleichnamigen Palast Jag Mandir ein weiteres beliebtes Ausflugsziel, welches nur per Boot zu erreichen ist. Von 1551 bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts erfolgte die Konstruktion des Hauptpalastes, sehenswert sind auch das Gebäudeteil Gul Mahal, der mit steinernen Elefantenstatuen geschmückte Eingangspavillon, der mit unzähligen tropischen Blumen leuchtende Garten, die Marmorterrasse Darikhana und der Ostflügel des Palastes, der auch Bara Patharon ka Mahal (Palast der 12 Steine) genannt wird. Auf der sehr kleinen Insel Mohan Mandir in der nordöstlichen Ecke des Sees befindet sich ebenfalls ein kleines Gebäude, nicht viel größer ist das Eiland Arsi Vilas, welches einst als Munitionsdepot diente, es beherbergt ebenfalls eine kleine Palastanlage, außerdem ist es ein Naturparadies und Heimstatt zahlreicher Wasservögel wie zum Beispiel von Enten, Kormoranen, Seeschwalben, Reihern und Blesshühnern.

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