Viele Religionen für sehr viele Menschen

Die wichtigsten Religionen mit den meisten Anhängern, Tempelanlagen und Feiertagen sowie Festen in Indien sind in dieser Reihenfolge der Hinduismus mit etwa 800 Millionen Gläubigen (ca. 80 % der Bevölkerung), der Islam mit zwischen 150 bis 170 Millionen Anhängern (ca. 13,4 %), das Christentum mit etwa 24 Millionen Gläubigen (ca. 2,3 %.), der Sikhismus mit etwa 19 Millionen Anhängern (ca. 2 %), der Buddhismus mit etwa 6,6 Millionen Gläubigen (ca. 1,5 %), der Jainismus mit etwa 4,2 Millionen Anhängern (ca. 0,5 %) und das Bahaitum mit ca. 2,5 Millionen Gläubigen (ca. 0,2%).

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Darüber hinaus existieren noch einige weitere Glaubensgemeinschaften wie zum Beispiel diejenigen der Parsen oder Zoroastrier, deren Anteil an der Gesamtbevölkerung ist jedoch mit einigen zehntausend verschwindend gering und allenfalls von regionaler und lokaler Bedeutung.

Gemeinsame Ursprünge und Überzeugungen

Trotz der auf dem Subkontinent immer wieder heftig aufflammenden, jedoch zumeist politisch und/oder sozial konnotierten Konflikte zwischen den einzelnen Glaubensrichtungen verweisen deren eher gemäßigten und gebildeten jeweiligen Anhänger und Vertreter doch ganz zu Recht auf die zahlreichen historischen Gemeinsamkeiten der einzelnen Religionen.

So ist ein zentrales Element sowohl des Buddhismus als auch des Hinduismus der Glaube an den ewigen Zyklus des Seins (Samsara bzw. Karma), auch das Konzept der anzustrebenden Erlösung und Erleuchtung (Nirvana bzw. Moksha) durch gerechtes Handeln und weitgehende Selbstlosigkeit ist in beiden Religionen fest verankert. Das Gleiche gilt auch für die Vorstellung der Reinkarnation.

Der Islam ist ebenfalls mit den anderen großen Religionen in Indien geschichtlich eng verbunden, speziell der Norden war und ist seit dem 8. Jahrhundert stetigem islamischen Einfluss unterworfen, auch der Geburtsort des Buddha Siddhartha Gautama im heutigen nepalesischen Distrikt Rupandehi zu Füßen des Himalaya und an der Grenze zu Indien liegt somit in diesem alten Schmelztiegel der Religionen. Der westindische Bundesstaat Punjab als Stammland des Sikhismus befindet sich ebenfalls in der Region, zwar grenzen sich die Sikhs durch Monotheismus, Materialismus und die Ablehnung des Kastensystems von der hinduistischen Mehrheitsgesellschaft ab, Theologen deuten jedoch mitunter den Sikhismus als Weiterentwicklung des Hinduismus.

Über Gott und die Götter, Dharma und Brahman

Während die drei buddhistischen Hauptrichtungen Theravada, Mahayana und Vajrayana doch bei allen tendenziellen Unterschieden in Theorie und Praxis grundsätzlich das Leben und Werk des ersten, bereits weiter oben erwähnten Buddhas in das Zentrum ihrer Lehren stellen und allenfalls einen persönlichen aber keinen allgemein verbindlichen Gottesbegriff verfechten, kennt der Hinduismus eine Vielzahl von Gottheiten, die sich jedoch stets auf die ewige und transzendente Realität des Brahman (Weltseele) und des Dharma (Ethik und Moral) beziehen.

Letzteres wird im Buddhismus ebenfalls sehr hoch gewertet, dort bezeichnet Dharma aber eher eine Art Daseinsgesetz, welches den Leidensweg der „vier edlen Wahrheiten“ Gier, Hass, Verblendung und deren Auslöschung beschreibt, welcher wiederum nur durch die Anwendung des „Edlen Achtfachen Pfades“ aus Erkenntnis, Entschluss, Rede, Tat, Lebenserwerb, Anstrengung, Achtsamkeit und Konzentration überwunden werden kann.

In den zahlreichen unterschiedlichen Schulen des Hinduismus wiederum spielen Götter dagegen eine ungemein größere Rolle, so ist etwa die höchste Gottheit Ishvara für die sonst unterschiedlichen Richtungen des Vishnuismus und des Shivaismus gleichermaßen Ausdruck höchster Verehrung, Vishnu und Shiva stehen jeweils für drei Aspekte des Göttlichen (Trimurti bzw. Trinität), welches viele verschiedene Namen tragen und sich als Statue oder Skulptur in unterschiedlicher, auch teilweise in Tierform manifestieren kann.

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